Genozid-Leugnung an der Universität Duisburg-Essen keinen Raum bieten!

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Ulrich Radtke,
sehr geehrte Damen und Herren der Ethik-Kommission,

der Völkermord an den Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontosgriechen jährte sich gestern zum 101. Mal. In Deutschland haben Bundespräsident Joachim Gauck sowie Bundestagspräsident Norbert Lammert den Völkermord jüngst anerkannt. Auch herrscht im Bundestag ein überparteilicher Konsens, dass es sich bei den Ereignissen von 1915 um einen Völkermord handelt. Der Landtag des Landes Rheinland-Pfalz hat eine entsprechende Resolution bereits verabschiedet. Diese Schritte sind allesamt deswegen erforderlich, weil wie kein anderer Völkermord, der Genozid an den Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontosgriechen aggressiv von der Türkei und den Auslandstürken geleugnet wird.

Mit Bedauern mussten wir feststellen, dass die Räumlichkeiten Ihrer Universität einem altbekannten Leugner des Völkermords morgen zur Verfügung gestellt werden, um in seiner Veranstaltung den Völkermord zu relativieren und zu leugnen und vielmehr Armeniern eine Hauptschuld für die Ereignisse zu geben und zu propagieren. Die Leugnung eines Völkermords wird als dessen letzter und integraler Bestandteil angesehen und stellt einen Nährboden für weitere Völkermorde dar. Solch eine Veranstaltung steht der Histograhie entgegen und bringt sowohl die deutsche als auch die türkische Gesellschaft bei der Aufarbeitung des Völkermords ins Stocken. Der Redner, Herr Ali Söylemzoglu, ist ein alter Bekannter und strammer Leugner des Völkermordes. Gibt sich die Ankündigung der Veranstaltung am 26. April in Ihrer Universität noch als zahm, ist Herr Söylemezoglu mit Hilfe von radikalen Kräften aus der Türkei stets bestrebt „die haltlosen Behauptungen eines Armenischen Völkermordes“ mit pseudo-wissenschaftlichen Mitteln zu entkräften.

Das Europäische Parlament verurteilt in seiner jüngsten Entschließung (2015/2590(RSP)), in der Erwägung, dass immer mehr Mitgliedstaaten, einschließlich ihrer Parlamente, den im Osmanischen Reich begangenen Völkermord an den Armeniern anerkennen; Völkermorde und den Versuch, diese zu leugnen.
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir kennen dieses Schema. So wie die Holocaustleugner agiert Herr Söylemezoglu nach dem selben Prinzip. Seine Thesen gibt er als historische Forschung aus, präsentiert aber pseudowissenschaftliche Geschichtsfälschung im Dienste von Ankaras Propagandamaschinerie gegen die Opfer und uns, den Nachfahren. Die Internationale Genozidforschung lässt keinen Zweifel daran, dass die Armenier einem Genozid zum Opfer gefallen sind. Unsere Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut, darf jedoch nicht schrankenlos dazu führen, dass unter dem Deckmantel der Wissenschaft hier Geschichtsklitterung betrieben wird. Ein vermeintlicher Rückzug auf die Position eines teilnahmslosen Dritten, der lediglich Räume zur Verfügung stellt, wird der Verantwortung einer Universität nicht gerecht und steht im krassen Widerspruch zur historischen und politischen Dimension einer Leugnungsveranstaltung zwei Tage nach dem Gedenkjahr des Völkermordes an den Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontosgriechen!

Wir bitten Sie daher höflichst, der Veranstaltung am 26. April im Hörsaalzentrum LA 0034 (altes Audimax), sowie zukünftigen Veranstaltungen des „Vereins türkischer Studenten“ (VtS) – die dem selben Zweck dienen – in Ihrer Universität keinen Raum zu bieten.

Im Anhang finden Sie zudem unsere jüngste Pressemitteilung vom 22. April gemeinsam mit Grüne Jugend, Jusos in der SPD, linksjugend [‘solid], Junge Liberale, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland und der Kurdischen Gemeinde Deutschland zum Gedenkjahr des Völkermords: http://www.anerkennung-jetzt.de/das-versprechen-der-politik-muss-eingeloest-werden-deutscher-bundestag-muss-genozid-anerkennen

Über die Mitteilung des Ergebnisses Ihrer Prüfung der Raumvergabe würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Initiative Anerkennung Jetzt


Initiative Anerkennung Jetzt!
ANERKENNUNG & PRÄVENTION!

E-mail: info@anerkennung-jetzt.de
Web: www.anerkennung-jetzt.de

facebook.com/anerkennung.jetzt
twitter.com/anerkennung1915
instagram.com/anerkennungjetzt