Leugnung des Genozids an Armeniern unter dem Deckmantel der Kunst darf auf Ruhrtriennale keinen Platz haben!

Wir sind „Anerkennung Jetzt“, eine zivilgesellschaftliche Initiative von zumeist jungen Aktivisten aus dem gesamten Bundesgebiet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Debatte um den Genozid an den Armeniern in Politik und Gesellschaft kritisch und konstruktiv zu begleiten und Bildungsarbeit zu leisten. Wir sind die Nachfahren der Überlebenden des Völkermordes an den Armeniern und kämpfen seit Jahren um die Anerkennung dieses Menschheitsverbrechens, wider der Verharmlosung und Leugnung. Dass diese Debatte auch nach der offiziellen Anerkennung der Vernichtung der Armenier durch den Bundestag als Völkermord weiterhin erforderlich ist, zeigt die Ruhrtriennale 2018.

Die Ruhrtriennale kündigt ihr Programm in diesem Jahr unter anderem wie folgt an:

“Wir wollen in offenen Gesellschaften leben, mit gleicher Beteiligung aller. Wir werden vieles ändern müssen, wir werden teilen müssen, wenn wir die Offenheit behalten, autokratische Regierungen, neue Nationalismen und Rassismus verhindern und nicht in Verteilungs- und Klimakriegen untergehen wollen. Die Ruhrtriennale 2018 wird neue ästhetische Formen und Zwischenformen erkunden, Stoffe und Themen suchen, Formate des Vorläufigen erfinden für ein Lebensgefühl der Zwischenzeit.”

Zu einer offenen Gesellschaft gehört es, dass die Wahrheit seinen Platz erhält. Zu einer Beteiligung aller gehört es, dass nicht den vermeintlichen Machthabern und Tätern zugehört wird, sondern den Minderheiten und Opfern.

In der Ankündigung der Ruhrtriennale haben wir besorgniserregende Einordnungen lesen müssen. Am 15.08.2018 findet das Konzert „Music of Displacement“ des Istanbuler „Hezarfen Ensemble“ auf der Ruhrtriennale statt. Hiermit möchten wir gegen die Ankündigung zu dieser Veranstaltung protestieren und appellieren an alle Sponsoren und Partner der Ruhrtriennale.

Wenn von

„… den Umsiedlungen von Armeniern, Griechen und Türken zwischen 1915 und 1923 aufgrund der Folgen des Ersten Weltkrieges und des türkischen Freiheitskampfes,….“ (Website Ruhrtriennale)

gesprochen wird, und es zudem heißt

„with of course the Armenian exodus to begin the century.“ (Programmheft Hezarfen Ensemble)

wird nicht nur die planmäßige und rassistisch motivierte Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich zur einer Umsiedlung, gar zu einer freiwilligen Auswanderung heruntergespielt und verharmlost, sondern der Genozid am armenischen Volk im Osmanischen Reich als solches geleugnet.

Dies, weil die Ruhrtriennale sich mit den Begrifflichkeiten „Exodus“ bzw. „Umsiedlung“, genau den Schlüsselwörtern bedient, die von den Leugnern des Genozids an den Armeniern und des türkischen Staates propagiert werden. Genozidleugnung ist ein integraler Bestandteil und die letzte Stufe eines Völkermordes. Der Holocaustüberlebende Eli Wiesel bezeichnete die Leugnung des Genozids an den Armeniern als „double killing“ – die Opfer werden durch die Leugnung ein zweites Mal getötet. In Bochum hat diese Leugnung wohl einen Platz gefunden.

Wie glaubwürdig ist die Ankündigung der Verantwortlichen der Ruhrtriennale und ihren Partnern, die „autokratische Regierungen, neue Nationalismen und Rassismus verhindern“ wollen, wenn zugleich der Genozid an den Armeniern negiert wird?

Es ist ein Skandal, dass die Ruhrtriennale den Genozid an den Armeniern mit ihrem Ankündigungstext relativiert, herunterspielt und leugnet und die Taten der Täter verharmlost, insbesondere vor dem Hintergrund der im Juni 2016 verabschiedeten Bundestagsresolution.

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner historischen Rede im April 2015, anlässlich des 100. internationalen Gedenktages des Genozids an den Armeniern, folgendes gesagt:

»Als Adolf Hitler in seinem Einsatzbefehl vom 22. August 1939 den Oberbefehlshabern der deutschen Heeresgruppen den Überfall auf Polen befahl und dabei seine Pläne erläuterte, „mitleidlos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken“, da schloss er in Erwartung eines kollektiven Desinteresses mit der rhetorisch gemeinten Frage: „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Wir reden davon! Wir! Noch heute, einhundert Jahre später, reden wir ganz bewusst davon – davon und von anderen Verbrechen gegen Menschlichkeit und Menschenwürde: Wir tun dies, damit Hitler nicht Recht behält. Und wir tun es, damit kein Diktator, kein Gewaltherrscher und auch niemand, der ethnische Säuberungen für legitim hält, erwarten kann, dass man seine Taten ignoriert oder vergisst.«

Die Ruhrtriennale bleibt mit ihrer relativierenden Einordnung des Schicksals der Armenier 1915 als „Exodus“ und „Umsiedlung“ ganz in der Tradition von dem, was sich Hitler 1939 erhofft hatte: „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“ – auf der Ruhrtriennale anscheinend niemand!

Wir appellieren hiermit an die Verantwortlichen der Ruhrtriennale und an Sie als Partner und Sponsoren sich nicht mit Leugnern des Genozids an den Armeniern gemein zu machen. Die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern unter dem Deckmantel der Kunst darf auch auf der Ruhrtriennale keinen Platz haben!