„Das politische Deutschland hat seine moralische Seele schon 1915 verloren, nicht erst im Zweiten Weltkrieg.“

– Historiker Hans-Lukas Kieser, in Bezug auf die deutsche Mitverantwortung beim Völkermord an den Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontosgriechen

Zitate von Mitgliedern des Deutschen Bundestages

(Foto: Deutscher Bundestag/Melde)
„Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord.“
Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages
(Foto: EnergieAgentur.NRW)
„In diesem Fall müssen auch wir Deutsche insgesamt uns noch einmal der Aufarbeitung stellen, wenn es nämlich um eine Mitverantwortung, unter Umständen gar um eine Mitschuld, am Völkermord an den Armeniern geht.“
Joachim Gauck, Bundespräsident
Foto: © Harry Weber (CC BY 3.0)
„Das Schicksal von Armeniern und von Christen in der Türkei darf aktuell nicht verrechnet werden mit dem was in der Flüchtlingspolitik geschehen muss. (…) Die Koalition darf die Bedeutung dieses Themas nicht länger herunterspielen.“
Cem Özdemir, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen
„Am 2. Juni werden wir im Bundestag einen Antrag einbringen, in dem deutlich gemacht wird, dass die Verfolgung der ‪‎Armenier‬ durch die ‪Türken‬ vor rund 100 Jahren in die Reihe der Völkermorde im vergangenen Jahrhundert eingeordnet werden muss.“
Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Foto: Foto-AG Gymnasium Melle
„Wir sind bereit über diesen (Völkermord)-Antrag mit Ihnen (Herr Özdemir) jetzt zügig zu sprechen, ihn zu finalisieren und ihn hier zu verabschieden. Es gibt die Zusage auch unseres Fraktionsvorsitzenden (Volker Kauder), dass das jetzt in den nächsten Wochen gemacht wird.“
Johann Wadephul, CDU/CSU
„Dieses Verstecken hinter sprachlichen Spitzfindigkeiten ist einfach beschämend und diesem Anlass zutiefst unwürdig. Ohne jeden Zweifel handelte es sich um einen vorsätzlich geplanten und durchgeführten Völkermord.“
Ulla Jelpke, DIE LINKE
© Deutscher Bundestag / Elke Schwalbach
„Die Waffenbrüderschaft zwischen dem Kaiserreich und Osmanischen Reich bestand nicht nur im Hinblick auf den Völkermord an den Armeniern, sondern auch im Hinblick auf seine spätere Leugnung und Relativierung. (…) nur eine aufrichtige Anerkennung und Aufklärung kann den Weg zur Versöhnung und einer gemeinsamen Zukunft bahnen.“
Sevim Dağdelen, DIE LINKE
„Was seit langem Erkenntnis und Wissensstand ist, muss auch so benannt werden: Es hat vor einhundert Jahren einen Völkermord an den Armeniern gegeben.“
Norbert Röttgen, CDU, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
Foto: Susie Knoll
„(…) aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion [sollte] im Vordergrund stehen. Erstens. Der Deutsche Bundestag erkennt an, dass es im Ersten Weltkrieg [durch Vertuschung, Verwicklung, Billigung und Unterlassung] eine deutsche Mitverantwortung für den Völkermord an den Armeniern gab.“
Dietmar Nietan, Bundesschatzmeister der SPD
„Der Tod Hunderttausender Armenier in der Endphase des Osmanischen Reiches war weder Unfall noch Zufall, sondern Völkermord.“
Julia Klöckner, Vorsitzende des CDU Landesverbandes Rheinland-Pfalz
„Ich habe Zweifel, dass wir, wenn wir in dieser Diskussion überzeugend auftreten und klar Stellung beziehen wollen, auf den Begriff „Völkermord“ verzichten können.“
Christoph Bergner, CDU/CSU
„Für mich steht außer Frage – die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von über 1 Millionen ethnischer Armenier durch das Jungtürkische Regime 1915 war ein Völkermord.“
Klaus Brähmig, CDU/CSU
Foto: spdfraktion.de
„Im gleichen Atemzug bekennen wir uns auch zur deutschen Mitverantwortung für das Geschehene. Und Mitverantwortung heißt hier auch historische Mitschuld.“
Gernot Erler, SPD
Foto: Gerd Seidel / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de
„Die Vertreibung und Ermordung der Armenier vor 100 Jahren war Völkermord. Eine solche Feststellung ist schon allein deshalb so wichtig, weil sie die Opfer und deren Nachfahren vor der ständig präsenten Relativierung oder gar Leugnung des Erlittenen befreit (…).“
Bernd Fabritius, CDU/CSU

Zitate türkischer Intellektueller und Politiker

„Was passiert, wenn wir mit den Armeniern einen Kompromiss eingehen und dieses Problem beenden? Lasst uns die Initiative ergreifen und die Wahrheit finden. Wenn nötig, lasst uns den politischen und wirtschaftlichen Preis bezahlen.“
Turgut Özal, ehem. Staats- und Ministerpräsident der Türkei
„Die Enteignung begann nicht erst mit dem Genozid. Die Enteignung der Armenier ist vielmehr als ein wesentlicher Faktor der Motivation zum Völkermord zu sehen, der die Täter zum Genozid veranlasste.“
Mehmet Polatel, türkischer Historiker und tätig an Koç-Universität in Istanbul
„Leider wurde die Republik Türkei auf dem Eigentum der Armenier gegründet. Auch deswegen kann die Aufarbeitung der Vergangenheit nicht beginnen.“
Baskın Oran, türkischer Politiker und Dozent an der Universität Ankara
„In der Geschichte, die ich gelernt habe, gab es [… nicht] das Jahr 1915. Die Türkei hat mich in einer Lüge leben lassen. Unsere Geschichte ist nicht wahr, sondern erfunden oder verfälscht. Die offizielle Geschichte unserer Heimat traut ihren eigenen Bürgern nicht. Sie will diese im Dunkeln halten. Und sie erlaubt ihnen nicht, auszubrechen aus dem, was sie auswendig gelernt haben.“
Hasan Cemal, Enkel von Cemal Pascha (einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord 1915)
„Viele in der Türkei sagen: [Einen Genozid] hat es nie gegeben! Aber das hat auch viel mit Unwissenheit zu tun, die sind so erzogen worden. Ich ja auch. lch konnte in der Türkei das Wort „Völkermord“ nicht frei benutzen, ohne gleich angeklagt und verurteilt zu werden. Was ist das denn für eine Gesellschaft? Ich sage: Erkennt die Tat meinetwegen nicht an, aber lasst mir das Recht, das zu tun!“
Fatih Akin, deutsch-türkischer Filmregisseur (Produzent von „The Cut“ über den Völkermord an den Armeniern)
„Es lebten in der Türkei, das Ursprungsland Armeniens, Armenier schon im 4. Jahrhundert bevor überhaupt Türken in Anatolien einwanderten. 1 Millionen bis 1,5 Millionen Menschen lebten überwiegend im Osten der Türkei. Eine Stadt wie Van hatte bis 1915 eine Bevölkerungsanzahl von 60% Armenier. Heute lebt dort kein einziger Mensch mehr. Deportiert? Wohin deportiert? In Syrien sind nach Zählungen ungefähr 60.000 bis 80.000 angekommen, im Irak auch so 60.000. Wo sind die restlichen? Es sind 200.000 vielleicht nach Frankreich, ist möglich. Ja, wo ist der Rest?“
Vural Öger, deutsch-türkischer Unternehmer und Politiker (SPD)

Zitate internationaler Influencer

„Was ist mit all den Christen (in der Türkei) passiert, die einfach so verschwunden sind? Ihr habt 1,5 Millionen Armenier einem Genozid ausgesetzt. Erzählen Sie uns, wie ist das passiert?“
Steve Jobs, Apple CEO, stellte diese Frage im Jahr 2007 seinem türkischen Reiseführer beim Besuch der Hagia Sophia in Istanbul
„Das Ziel der Machthaber im Osmanischen Reich ab 1915 ist es gewesen, die armenische Bevölkerung vollständig auszulöschen.“
Amal Clooney, britisch-libanesische Juristin und Ehefrau von George Clooney
„Der Völkermord an den Armeniern ist Teil der Weltgeschichte, nicht nur der armenischen Geschichte. Wenn jemand versucht eine ganze menschliche Rasse, Kultur, Bevölkerung auszulöschen, dann ist das Genozid. Es gibt dafür keine andere Bezeichnung.“
George Clooney, Schauspieler und Menschenrechtler
„Für alle denen es nicht bewusst sein sollte, der Genozid am armenischen Volk hat stattgefunden.“
Barack Obama, 2009-2017 Präsident der Vereinigten Staaten (Aussage getätigt 2007 als US Senator)
„Die Nazis nutzten den Völkermord an den Armeniern als Legitimation, um den Holocaust in die Tat umzusetzen.“
Reuven Rivlin, Staatspräsident Israels
„Der erste Genozid des 20. Jahrhunderts (…), hat euer armenisches Volk getroffen, zusammen mit den katholischen und orthodoxen Syrern, den Assyrern, den Chaldäern und den Griechen.“
Papst Franziskus, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und Souverän des Vatikanstaats
„Erinnerung ist nicht teilbar: Wer vom deutschen Völkermord an den Juden spricht und die juristische Aufarbeitung des Völkermordes in Srebrenica befürwortet, darf vom Völkermord an den Armeniern nicht schweigen.“
Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees
„Vor 100 Jahren wurden im Osmanischen Reich auf Befehl der Regierung mehr als eine Million Armenier deportiert. Sie wurden direkt ermordet oder verhungerten und verdursteten in der Wüste. Dieses schreckliche Geschehen sollte als das bezeichnet werden, was es war: ein Genozid.“
Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland
Zitate damals